Bermuda

Gastbeitrag von umdiekugel.ch

Während wir in den Naturhafen von St. George’s einfahren, komme ich mir vor, als würden wir mit einem Wohnmobil über einen Campingplatz tukern. Der Tag ist noch jung und dennoch sitzen auf den bereits geankerten Segelyachten eine Menge freundlich winkender Frühaufsteher. Von allen Seiten werden wir begrüsst. Fränzi und Philip erkennen einige Schiffe aus ihrer Reise in der Karibik wieder, darunter auch Svea mit deren Crew sie sich bereits vor Längerem angefreundet haben.

Wer auf dem Weg Richtung Europa ist, kommt an den Bermudainseln wohl kaum vorbei.

Nach 10 Tagen auf hoher See haben wir zur Abwechslung wieder festen Boden unter den Füssen. Wobei, so fest wie erwartet, scheint dieser nicht zu sein. Während wir bei den Zollbeamten die Einreiseformalitäten ausfüllen, schwankt nicht nur der Kugelschreiber in der Hand. Es scheint, als befände sich das ganze Zollhäuschen in Schräglage. Den Wellengang noch in den Knien, torkeln wir nach erfolgreichem Einklarieren lachend zurück aufs Schiff. Simon und ich sind froh, dass es auch den eingefleischten Seebären Fränzi und Philip in Sache Landkrankheit nicht anders ergeht.


Bermuda ist ein britisches Überseegebiet im Nordatlantik und namensgebend für das Bermudadreieck und die Bermudashorts. Uns fallen sofort der Linksverkehr, die bunten Häuser mit den strahlend weissen Dächern und die sehr hohen Lebenshaltungskosten auf. Es ist nichts Aussergewöhnliches, dass ein Einkauf im Supermarkt innert Kürze ein Loch in den Geldbeutel frisst.

Was es mit den eigenwilligen Dächern auf sich hat, erfahren wir erst nach einigen Recherchen. Da auf den Bermudainseln keine Flüsse fliessen, wird das Regenwasser gesammelt und über die weissen Dächer in Zisterne abgeleitet. Aufgrund der geringen Luftverschmutzung hat das Regenwasser auf Bermuda Trinkwasserqualität und muss nicht zusätzlich gefiltert werden. Ebenso einzigartig wie die Wassergewinnung ist die Freundlichkeit der Einheimischen, dazu später jedoch mehr.


Wir erkunden St. George’s, die ehemalige Hauptstadt Bermudas, mit der Svea Crew und lernen endlich die Personen hinter all den Erzählungen kennen. Die gemeinsame Zeit ist jedoch beschränkt, da sich die Svea eine halbe Woche vor uns auf den Weg Richtung Azoren aufmacht. So verpassen sie nur knapp den „Bermuda Day“, den Nationalfeiertag der Inseln. Zu diesem Anlass fahren wir mit dem Bus in die Hauptstadt. Mit einer bunten Parade wird in Hamilton der erste Tag des Jahres gefeiert an dem die Einheimischen wieder im Meer schwimmen gehen. Die diesjährige Feier greift auch ein topaktuelles Thema auf – der America’s Cup. Austragungsort der ältesten Segelregatta der Welt ist, wie könnte es auch anders sein, Bermuda. So haben wir die Möglichkeit den verschiedenen Teams beim Training zu zusehen.
Im türkisblauen Wasser, segeln oder besser fliegen die Karbonboliden nur so um die Wette.


Wir geniessen die Zeit an Land und bereiten uns mit dem letzten Feinschliff auf die nächste Etappe vor. BunaLuna auf Vordermann bringen, Kleider waschen, Gas auffüllen, Wasser tanken, Batterien laden und ein letzter Einkauf stehen auf dem Programm.

Während sich Philip um das Schiff kümmert, fahren wir zu dritt mit dem Bus zum nächst grösseren Supermarkt. Unsere Mission: frisches Gemüse und frische Früchte, wenn ansatzweise möglich ungekühlt. Dass sich diese Aufgabe als schwierig herausstellen kann, wissen wir bereits seit der Dominikanischen Republik. Wir lassen uns dennoch nicht entmutigen und werden einigermassen fündig. An der Kasse angekommen, erkundigt sich Simon, wo der nächste Bus nach St. George’s fahre. Leider kann uns die Kassiererin nicht weiterhelfen. Ein Glück, weiss Jane Rat. Eine freundliche Dame, welche dem Gespräch gelauscht hat, bietet uns an uns bis zur nächsten Busstation zu fahren. Als sie jedoch unsere ganzen Einkäufe begutachtet, meint sie, dass dies eine spassige Angelegenheit werden könne. Jane ändert ihre Meinung kurzerhand. Sie wolle nur ihre Lebensmittel nach hause bringen und fahre uns anschliessend nach St. George’s. Mit einem solchen Service haben wir alle nicht gerechnet.

In der Folge lernen wir ihren Ehemann, ihren Hund Pepper und ihr Haus mit der wahnsinnigen Rundumsicht kennen. Das ist auf Bermuda übrigens eine Seltenheit, beträgt doch die höchste Erhebung gerademal 79 Meter. Jane meint, dass diese Lage auch Nachteile haben kann. Besonders im September, wenn die Hurricanes wieder gnadenlos zuschlagen. Während Jane uns zur Marina chauffiert, erzählt sie uns einige ihrer stürmischen Erlebnisse. Beim Schiff angekommen, laden wir sie als Gegenleistung auf einen Kaffee ein. Freundlich lehnt sie ab, sie habe keine Zeit, sie müsse mit ihrem Hund Pepper raus. So verabschieden wir uns dankend für die nette Begegnung und den unerwarteten Taxiservice.