Wieso eine Seglerin aus unerklärlichen Gründen im Ruderboot sitzt

Nach ungefähr einem Monat verlassen wir die Balearen in Richtung Festland. Wir steuern nach 112 nautischen Meilen Alicante an. Voller Überraschung entdecken wir hier eine sehr schöne spanische Stadt, nicht zuletzt gefällt uns natürlich auch das Museum des Volvo Ocean Race, welches sich gleich im Hafen befindet. Der nächste Höhepunkt erwartet uns in Cartagena, nicht etwa, weil hier gerade vier Feiertage zu ehren der Vertreibung der Römer und der Machtübernahe der Karthagern über die Bühne geht, nein, hier erwarten wir unsere nächsten Gäste. Die Eltern von Philip reisen diesmal, nicht wie auch schon, mit dem Velo zur Buna Luna, sie haben sich für die Anreise mit dem Zug entschieden. So geht unser Törn ab Cartagena zu viert weiter. Mit schön kräftigem Rückenwind segeln wir der Küste lang, treffen Abends meist auf Schiffs- und Menschenleere Häfen und wenn ich mit meinen wenigen spanischen Brocken über Funk nach einem freien Platz im Hafen frage, wird nicht selten Humorvoll zurückgegeben, „… nein nicht ein Platz sei frei, auch zwei, drei, vier, fünf…“.
Nach ca. 10 Tagen treffen wir in der schönen Hafenstadt Málaga ein und hier folgt mehr als nur ein Highlight für mich als Freundin der körperlichen Ertüchtigung mit dem Ziel ein Boot mittels zwei Ruderblättern zum Gleiten zu bringen. Ja, ihr könnt es Ahnen, im Real Club Mediterraneo gibt es nicht nur Liegeplätze für Schiffe wie die Buna Luna, nein, es gibt auch einen Ruderclub mit aktivem Leben. Schon bei der Hafeneinfahrt weichen wir stets wieder verschiedenen Ruderbooten aus. Als mich an Land dann ein junger Mann anspricht und im Gespräch nicht verheimlicht, dass er Rudertrainer sei, kann ich es nicht lassen und frage ihn, ob es denn eine Möglichkeit gäbe für mich einen freien Rollsitz zu finden. Zuerst schlägt er mir als quasi „Trainerkollegin“ zwar einen Platz im Motorboot vor, schliesslich lässt er sich jedoch sehr rasch dazu bringen, mich für morgen um 18h zum Rudern einzuladen. Ich kann mein Glück kaum fassen! Am nächsten Tag bin ich zwar äusserst nervös, befinde mich aber pünktlich am vereinbarten Standort. Er stellt mir meine Bootsparterin vor, sie sei letzte Woche bei den spanischen Costal Rowing Meisterschaften im Einer als Siegerin erkoren worden und werde heute eine Stunde ein lockeres Training machen. So bereiten wir unser Boot vor und gehen unter den neugierigen Blicken von ca. 20 anderen Juniorinnen und Junioren an den Steg. Auf dem Wasser erzählt mir meine Bootspartnerin, dass alle anderen Heute einen Lauftest absolvieren, sie jedoch nicht Rennen könne und somit ein Wassertraining machen dürfe. Wir beide freuen uns also über die Ausfahrt und finden rasch den gemeinsamen Rhythmus, um das schwere Meerruderboot zum Laufen zu bringen. Voller Euphorie und Begeisterung merke ich gar nicht, wie diese Stunde verrinnt und wir treffen nach dem durchqueren der kleinen Strandbucht wieder im Hafen von Málaga ein. Fast ein bisschen traurig, dass dies jetzt schon vorbei sein soll, lädt mich meine sympathische Ruderparterin ein, wenn ich wolle könne ich gerne noch mal mit ihr Rudern gehen und sowieso, wenn ich nochmal in Málaga sei, soll ich einfach vorbeikommen, sie sei hier und gehe rudern. Als kleine Geste überreiche ich ihr noch eine Tafel original Schweizer Schokolade und ich scheine damit den Nagel auf den Kopf zu treffen, sie strahlt mich etwa so an, wie ich gestrahlt habe, als ich mit ihr über das Meer vor Málaga rudern durfte. Und was bleibt, ist eine bleibende Erinnerung an ein wunderbares Rudererlebnis!