Wie die Zeit zwischen den Kanaren und Barbados so verläuft

Ich glaube viele Leser denken schon, wir sind irgendwo zwischen dem Mittelmeer und Atlantik verschwunden… Nein dem ist nicht so, uns geht’s gut und die Buna Luna schwimmt im Atlantik. Nach 5 Wochen auf den Kanaren erwarten wir freudig unsere Freunde Lydia und Hansueli, welche uns über den Atlantik begleiten werden. Im sehr touristischen Süden von Teneriffa hält uns nichts mehr und wir schliessen die Vorbereitungen rasch ab, um loszuziehen. Vorbereitungen, was heisst das eigentlich genau? Wie bereitet man sich auf die Transatlantik mit dem Segelschiff vor? Naja, nebst all den technischen Dingen und den seglerischen Feinheiten, brauchen wir vor allem Nahrung und Wasser! So heisst es erst mal Einkaufen für 4 Wochen auf See… Wir füllen im Supermarkt 5 ganze Einkaufswagen und bringen 15 kg Teigwaren, 9 kg Reis, 3 kg Kartoffeln, ca. 30 Konservendosen mit Erbsen, Bohnen, Tomaten, Früchte und sogar Fleischbällchen, 7 kg Mehl, 15 Liter Orangensaft, 30 Liter Milch (davon für 15 Liter Milchpulver), 30 Eier, 240 Liter Trinkwasser. Wir kaufen zudem etliche Snacks, Knäckebrot, Zwieback und Biscuits, wie auch frische Produkte für die erste Woche. Wobei wir damit rechnen, dass wir die Frischwaren wie Früchte, Gemüse, Eier, Schinken und Käse auf den Kapverden nachfüllen können. Alles verstaut und Wellensicher gemacht nehmen wir uns eine erste kleine Etappe vor und segeln in einem Tag auf die kleine Nachbarinsel La Gomera. Eigentlich sollte dies eine schöne Tagestour werden, damit Hansueli und Lydia auf der Buna Luna angekommen können. Naja, mit bis zu 33 Knoten Wind mit einem Amwind-Kurs wird das dann doch etwas weniger gemütlich als gedacht. Wir kommen am Abend dennoch gut im Hafen von La Gomera an und freuen uns auf eine „letzte“ ruhige Nacht mit angebundenem Schiff und ohne Nachtwache!
Tags darauf, Leinen los für die erste Transat-Etappe bis auf die Kapverdischen Inseln. Windprognosen versprechen gutes und wir freuen uns, dass es nun endlich losgeht. Wie könnte es auch anders sein, ganz nach Murphys Law, befinden wir uns schon nach ungefähr 4 Stunden auf See in der Flaute. Die Segel schlagen von den Wellen, das Vorsegel hängt schlapp herunter und unsere liebe Jefa dreht die Steuerräder wild hin und her. Jefa? Ihr werdet euch fragen, wer ist das nun jetzt schon wieder! Jefa ist unsere fünfte Frau an Board und steuert normalerweise zuverlässig unser Schiff, wenn die menschliche Mannschaft mal Pause macht, sie isst uns nicht mal unsere Vorräte weg, sondern ist schon mit ein bisschen Strom von der 12 Volt Batterie glücklich, so heisst nämlich unser Autopilot. Nun, so stehen wir die ersten fast 36 Stunden in der Flaute und wenn wir Glück haben, ist die Strömung mit uns und wir kommen, welche uns eine Fahrt von 1 Knoten bringt. Irgendwann wird’s dann besser und wir geniessen die Ruhe des Segelns ohne schlagende Segel. Meilen für Meilen legen wir zurück und nach 8 Tagen auf See mit 909 zurückgelegten Seemeilen treffen wir am 1. Dezember in Mindelo auf der Kapverdischen Insel Sao Vincente ein.
Wir geniessen die Fremde und entdecken die Stadt Mindelo, wie auch die wunderschöne Nachbarinsel San Antão. Zudem füllen wir unsere Frischwaren auf und verbringen einen abenteuerlichen Einkauf auf dem Gemüsemarkt. Lydia und ich, die einigen Weissen und somit natürlich auch die, denen man die Bananen für das Doppelte oder gar dreifache vom Normalpreis verkaufen will. Wir feilschen hart und finden unsere Verkäuferinnen, des Vertrauens, welche uns das Gemüse zu akzeptablen Preisen verkauft. Als wir loslegen wollen für die Grosse Überfahrt hält uns ein Problem mit den SIM Karten des Satellitentelefons auf. Von der Hotline erfahren wir, dass unsere Karten einen Produktionsfehler haben und wir diese nicht aktivieren können. Toll, ohne Satellitentelefon heisst es keine aktuellen Wetter- und Windangaben für die Überfahrt. Dies ist zwar machbar, aber dennoch etwas doof, da wir ja eigentlich alles dafür aufgegleist und vor allem bezahlt haben. So kommt es, dass Lydia und ich in der Marina von Boot zu Boot gehen und alle Fragen ob sie per Zufall eine zusätzlich SIM Karte fürs Irridium GO! Satellitentelefon haben. Als wir schon aufgeben wollen, kommt plötzlich ein freundlicher Herr von einem der ersten gefragten Schiffe auf uns zu uns erklärt, dass er dann nochmal nachgeschaut habe und er habe tatsächlich eine Karte welche er nicht brauche. Überglücklich über diese Neuigkeit bringen wir die Karte zu Philip, welche sie sofort aktiviert und noch bevor alles läuft, legen wir am 5. Dezember ab, in Richtung Barbados. Philips Papa, unsere grosse Unterstützung zu Hause, macht dann alle restlichen Online Erfassungen fürs Irridium GO!, so haben wir am nächsten Tag eine Verbindung und können mit der Aussenwelt Kontakt halten, wie auch das Wetter aktualisieren.
Nun sind wir also auf der Transat, wir haben alles was wir brauchen und die Passatwinde sind auch mit uns. Die Tage verlaufen ruhig, der Kurs ist gut und wir kommen rasch voran. Die grosse Aufgabe des Tages ist, die Sonnenkollektoren möglichst im guten Winkel aufzustellen, damit wir die Motorenbatterie und somit die 12 Volt- Haushaltsbatterie laden können. Schliesslich will unsere Jefa auch ernährt werden. Auch wir sorgen für gut gestillte Mägen, kochen so frisch wie möglich, backen ab und zu ein frisches Brot, und als Highlight macht Lydia sogar zweimal eine echte supergute Züpfe zum Frühstück! Die Tage vergehen rasch, die Meilen verstreichen, nach genau einer Woche auf See feiern wir das Bergfest, welches auf der Buna Luna auch Berghüttenfest oder eben „fête de la cabane“ genannt wird. Schliesslich sind wir eine Bilingue Crew und erweitern unseren Wortschatz mit einem täglichen „mot du jour“. Mit dem Bergfest liegt die Hälfte der Transat hinter uns und jetzt geht’s vom Gipfel runter, leider meint es Eole, die Windgöttin, aktuell etwas zu gut mit uns. Die 25 Knoten Wind und vor allem die 4-6 Meter hohen Wellen überfordern die Jefa, so, dass wir zwei Tage und Nächte durch von Hand steuern müssen. 25 Knoten wind, werden jetzt manche denken, dass geht ja noch, ja klar, das geht, aber dies ist auch ausserhalb der Böen, wir haben Böenspitzen bis zu 34 Knoten und sind somit nur noch unter Genua unterwegs. Ohne stabilisierendes Grossegel rollt unsere Buna Luna mit der Welle hin und her und hin und her und wieder hin und her, was den direkten Effekt hat, dass mir schlecht wird und ich die „Aussicht über der Reling“ geniesse. Janu, nicht so schlimm auch das geht vorbei… nach zwei Tagen können wieder mehr Segel setzten und die Tage beruhigen sich. Auch diese zweite Woche geht rasch vorbei und wir kommen genau nach 14 Tagen und 12 Stunden in Bridgeton auf der karibischen Insel Barbados an. 2100sm seit Mindelo.